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Winckelmann in Rom
Am 18. November 1755 traf Winckelmann nach achtwöchiger Reise an der Porta del Popolo in Rom ein.
Winckelmanns Aufenthalt war zunächst für zwei Jahre geplant und mit einem Stipendium des sächsischen Königs, das Pater Leo Rauch erwirkt hatte, finanziell gesichert.

Mittels einer Empfehlung des Dresdner Malers Christian Wilhelm Ernst Dietrich (1712–1774) an Anton Raphael Mengs, der 1752 als sächsicher Hofmaler nach Rom gegangen war, fand Winckelmann eine Wohnung im Palazzo Zuccari. Der Palazzo war eines der großen Künstlerhäuser im Fremdenviertel auf dem Monte Pincio. Vor allem die Freundschaft mit Mengs, der seinerzeit in Rom als der hervorragendste frühklassizistische Maler galt, war in Winckelmanns ersten römischen Jahren von entscheidender Bedeutung. Von ihm erhielt er nicht nur wichtige Impulse für seine Kunstanschauung und Kunsttheorie, sondern auch vielfältige und interessante Anregungen, aus der Sicht des Künstlers die Meisterwerke der Antike zu betrachten. Zudem teilten beide die Vorliebe für die griechische Kunst.

Schnell gewann Winckelmann auch zu anderen in Rom lebenden Künstlern Kontakt. 1763 traf Winckelmann auf die junge deutsche Künstlerin Angelica Kauffmann (1741–1807). Im Auftrage von Johann Kaspar Füßli (1706–1782), einem Schweizer Maler und späteren Freund Winckelmanns, schuf sie im Jahre 1764 ein Porträt Winckelmanns.

Rom mit seinen großen Palästen, Villen, Kunstsammlungen und einzigartigen Architekturdenkmälern, vor allem der Antike und der Renaissance, machte auf Winckelmann einen überwältigenden Eindruck. Winckelmann studierte u.a. die Antiken- und Kunstsammlungen in der Villa Medici, der Villa Borghese, der Villa Ludovisi, der Villa Mattei, der Villa Negroni und der Villa Giustiniani und unternahm Exkursionen in die Umgebung Roms z.B. nach Tivoli zur Villa Hadriana.

Über den Prälaten Michelangelo Giacomelli (1695–1774) fand Winckelmann erste Kontakte zur römischen Gelehrtenwelt. Beide verband die Verehrung der griechischen Literatur. Als 1756 der Siebenjährige Krieg ausbrach, in dessen Folge Dresden durch Preußen besetzt wurde, befürchtete Winckelmann, daß das Stipendium ausbleiben würde. Eingedenk der möglichen Folgen des Krieges ließ Winckelmann durch Giacomelli Archinto seine Dienste als Bibliothekar antragen. Archinto war gerade erster Minister und Kardinalstaatssekretär geworden und auf den Quirinal umgezogen. Er bot Winckelmann eine bequeme Fünfzimmerwohnung in seinem Palazzo Cancelleria an. Aufgrund seines Amtes bei Archinto erhielt Winckelmann zunehmend Verbindungen zu römischen Gelehrtenkreisen. Häufig besuchte er auch die Bibliotheken, insbesondere die des Collegio Romano, das für antiquarische Studien reichlich Material bot.
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