Konfessionswechsel und Rom-Stipendium
Schon lange war es Winckelmanns sehnlichster Wunsch, in Rom, wohin es seit der Renaissance Künstler und Kunsttheoretiker zog, die Antike zu studieren. In Nöthnitz hatte Winckelmann den päpstlichen Nuntius, Graf Alberigo Archinto (1698–1758), kennengelernt und Verbindung zu dem Jesuitenpater Leo Rauch (1696–1775), dem Beichtvater des Königs, geknüpft. Archinto stand kurz vor seiner Abreise nach Rom, wo er zum Governatore di Roma berufen werden sollte, und war daran interessiert, einen Protestanten zum Glaubenswechsel zu bewegen. Seit 1751 schlug sich Winckelmann mit dieser Entscheidung herum, seine Gesundheit litt in dieser Zeit merklich. Zudem war er überzeugt, daß Freunde und Bekannte, darunter Pfarrer und Leute im Schuldienst, in seiner streng protestantisch geprägten Heimat für den Konfessionswechsel kaum Verständnis haben würden. Erst unmittelbar vor Archintos Abreise nach Rom im Sommer 1754 konvertierte Winckelmann schließlich in aller Abgeschiedenheit. Archintos Wunsch war es, daß Winckelmann ihm nun möglichst bald nach Rom folgen solle. Doch verzögerte sich der Abreisetermin mehrfach noch bis September 1755.