(12.12.2004-27.2.2005)
Franz Caucig (Görz 1755 - Wien 1828) gehört zu den Künstlern der Zeit um 1800, die es neu zu entdecken gilt. Caucig war gebürtiger Slowene, empfing seine Förderung aus dem Umfeld der Wiener Hofes und fand in Italien seine entscheidende künstlerische Prägung. Nach seiner Rückkehr wurde er Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien, der er in seinen letzten Lebensjahren als Direktor vorstand. Caucigs künstlerischer Werdegang war international und im besten Sinne durch ein vielfältiges kulturelles Umfeld geprägt.
Die Ausstellung zeigt 109 Handzeichnungen des Künstlers aus allen Schaffensperioden, beginnend mit seiner römischen Zeit (1780/81-1787).In Rom besucht er die Paläste und Sammlungen, sucht seine künstlerische Form in Auseinandersetzung mit antiker Plastik und mit Raffael.
Von den ersten Skizzen bis hin zu den eindrucksvollen Kopfstudien ist sein Weg zur künstlerischen Vollendung an den Werken zu erkennen. Die Zeichnungen sind zudem eine nicht zu unterschätzende Quelle für den Archäologen, zeigen sie doch oft heute nicht mehr erhaltene Restaurierungszustände.
Zu Caucigs schönsten Arbeiten gehören seine stimmungsvollen Veduten aus Rom und der Campagna. Die Größe der römischen Ruinen, die Heiterkeit der Villengärten, die von antiker Kultur durchsetzte Natur in den Albaner Bergen, Lust und Last des wandernden Künstlerlebens – all dies wird in seinen Zeichnungen erfahrbar, die aber trotz aller Sinnlichkeit einen klassizistisch strengen Aufbau aus Linie und Lavierungen verraten. Bei einem zweiten Aufenthalt in Italien, 1791-1797 in Venetien, wendet sich Caucig stärker dem italienischen Alltagsleben zu. In der lichtdurchfluteten Leichtigkeit der dort entstandenen Blätter ist der Einfluß venezianischer Kunst deutlich spürbar.
Zurück in Wien entstehen um und nach 1800 an der Akademie jene großformatigen Studienblätter zu Historiengemälden, die den Schluß- und Höhepunkt der Ausstellung ausmachen. Nirgendwo sonst ist im Werk Caucigs die Wirkung des aktuellen französischen Klassizismus, allen voran Jacques-Louis Davids, deutlicher erkennbar als in diesen perfekt ausgeführten Blättern.
Viele sind den Schicksalen antiker Helden wie Alexander dem Großen oder Caesar, aber auch zahlreichen Heldinnen – Sappho, Chilonis, Hypsipyle, Esther – gewidmet. Franz Caucig zeigt sich so als ein bedeutender Vertreter des internationalen Klassizismus der Zeit um 1800.